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Neues Mindestmaß ab 2010 für Heilbutt: 80 cm!

Der Heilbutt, unser Modefisch schlechthin bei deutschen Norwegenanglern. Ich kann es wirklich nicht verstehen, warum einige Leute so ein Geheimnis um diesen Fisch, oder die Fangtechnik machen.

Damit sage ich aber auch nicht, das einem die Butts ans Gaff springen!

Hier steht nur mein eigenes Gedankengut, oder etwas, was ich aus persönlichen Gesprächen von Anglern mit Heilbutt Erfahrung erzählt bekam und/oder selbst umgesetzt habe.

Im September 2009 bin ich zum ersten mal in ein Gebiet nach Norwegen gereist, um gezielt auf Heilbutt zu fischen.
Zum Vorteil für mich war die tolle Angelgruppe, alles erfahrene Angler, wobei einige Jungs gute Kenntnisse in Sachen Heilbuttfang hatten.

Ich hatte auf der Heilbutt-Nordkap-Team Tour im September 2009 keinen Heilbutt gefangen.
So ein richtiger, selbstgekrönter Heilbutt-Crack sollte jetzt hier mit dem lesen aufhören, alles Theorie, welche ich in den nächsten Jahren untermauern werde!


Meiner erster Heilbutt: 96 cm Länge und 12 kg schwer, gefangen in Gjesvaer, Juni 2010.


Mein 2. Heilbutt: 81 cm und ca. 6 kg schwer, gefangen beim gezielten Trolling auf Heilbutt im März 2012 in Utvorda.
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Wie, oder auch wo, fängt man gezielt einen Heilbutt?

1. Alles was nördlich von Bodö/Insel Rost liegt, ist für mich generell Heilbuttrevier.
2. Grossflächige, sanft auslaufende Sandplateaus in Aussenfjorden und am offenen Atlantik von 10-80 m Tiefe. Natürliche Strömungsverursacher sind auch sehr heilbuttverdächtig, wie z.B. Straumen, Verengungen zwischen 2 Inseln/Felsen mit Sandboden.
3. Ein Heilbutt kann bis zu 3 Meter lang werden und schafft über 300 kg Körpergewicht im günstigsten Fall. Das Angelgerät sollte dann entsprechend gewählt werden, siehe weiter unten.
4. Im Kopf des Anglers sollte eines klar sein, Heilbutt Angeln, den ganzen Tag, jeden Tag, nicht immer wieder verwerfen und doch wieder Dorsche pumpen und Speedjiggen.
5. Bevor das Angelcamp, oder die Hütte + Boot gemietet wird, immer in die Seekarte schauen. Sind da keine geeigneten Plateaus und gute Strömungskanten in der Nähe, nicht buchen, nächstes Gebiet abklopfen.
6. Ist Dir der Weg nach Nordnorwegen zu teuer, oder gar zu weit und unbequem, dann gibt’s auch keinen gezielten Heilbuttfang.



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Hier erwähne ich ein paar von uns wirklich benutzte und empfehlenswerte Ausrüstungsgegenstände für den gezielten Heilbuttfang.

Rute: 1,80-2,20 m Länge, 30-50 lbs
Empfehlung: Sportex Magnus, Penn Scandowner

Rolle: Immer eine Multirolle aus gefrästen Messing/Aluminumteilen aus dem Maschinenbau. Eine Schiebebremse ist von Vorteil. Ein Schnurführer ist totaler Schwachsinn beim Heilbuttangeln, da geht nur wieder was kaputt. Mindestens 300 m Schnurfassung einer 30 lbs Geflochtenen. 40 lbs entspricht 0,35-0,40 mm Schnurstärke.
Empfehlung: Avet Multis (z.B. SX und MX Modelle), Okuma Titus Gold
Eine Schiebebremse ist Geschmacksache, viele Angler bevorzugen eine Sternbremse.

Hauptschnur: 20-30 lbs Geflochtene
Empfehlung: 30 lbs Power Pro

Vorfachschnur: 1,20 er Mono, eine 1,20 mm Mono hält ca. 60-95 kg (Herstellerbedingt).

Wirbel: Rosco Coastlock 2/0 102 kg Tragkraft.

Sprengringe: Rosco 17 mm 100 kg Tragkraft

Drillinge: VMC Permasteel Drillinge Grösse 5/0-7/0. Auch die gewaltigen, roten Invader Drillinge von der Angeldomäne.

Einzelhaken: VMC Permasteel Kreishaken ab Grösse 5/0

Gaff: 10 mm V2A Rundstahl, 95 cm Länge, Hakenbogendurchmesser 13 cm, handgefertigt in Bad Schwartau von Tommy. Link zur Bastelecke/Gaff
Flying Gaff: 10 mm V2A Rundstahl 27 cm Gesamtlänge, Hakenbogendurchmesser 13 cm. Link zur Bastelecke/Flying Gaff


Warum habe ich gerade diese Angelgeräte aufgezählt?

Nicht wegen der Werbung, welch notwendiges Übel.
Das oben aufgeführte Angelgerät wird sehr erfolgreich von vielen Anglern in Norwegen eingesetzt.
Ich habe an allen Springringen und Wirbeln einen Belastungstest durchgeführt, jedes einzelne Teil. Bei 100 getesteten Rosco 17 mm Springringen hatten alle 100 Stück bestanden. Bei den Wirbeln war es genauso.
Wie sah der Test aus? Im Schuppen am Dachbalken ein Nylonseil mit kleinem Karabiner eingehängt und einfach mein Körpergewicht spielen lassen. Ich habe mich nicht ganz reingehängt, vom Gefühl aber weit über 50 kg, da ich sonst mit meinen 120 kg alles kurz und klein getestet hätte. Durch den Karabiner ging es sehr schnell die Kleinteile zu testen.
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Grundvorraussetzung, um einen Butt nicht zu verlieren, ist eine sanft zu dosierende, absolut ruckelfreie Rollenbremse. Sonst ist nach 1-2 Sekunden eh alles vorbei!

Wie verliere ich gezielt einen Heilbutt?

1. Eine steife, Billigrute mit schlechter Beringung.
2. Alte, spröde, minderwertige Hauptschnur.
3. Zu dünne Hauptschnur, dünne Schnur ist ja sooooooo cool!
4. Irgendwelche Wirbel zweifelhafter Herkunft.
5. Sprengringe mit zu dünnem, weichen Federdraht.
6. Zu kleine, dünndrahtige Drillinge/Haken, schlecht verarbeitete No Name Drillinge.
7. Kein geeignetes, stabiles Gaff im Boot.
8. Eine kugellagerfreie Plastik Multirolle aus dem Ping-Pong Land.
9. Angegammelte Rutenringe und vergammelte Schnurführer, ungepflegte Angelausrüstung rächt sich hier ganz bitter.
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Was passiert nach dem Anbiss eines Heilbutt?

Nachdem der Heilbutt angebissen hat, kommt sofort die Rollenbremse zum Tragen. Hier sind Multis mit Kohlefaserscheibenbremsen (auch Carbon genannt) die Nummer 1. Eine Schiebebremse erleichtert das dosieren der Bremskraft enorm.

Das 1,8-2,5 m Meter lange Vorfach puffert die wilden Fluchten des Heilbutt ab. Es schützt auch vor Abrieb an Hindernissen am Grund, sowie dem zähnestarrenden Maul des Heilbutt.

Der Heilbutt rollt sich im Drill auch in einigen Fällen in das Vorfach ein. Da ist ein 1 Meter langes Vorfach schnell zu kurz und schon ist der Puffer weg. Die Hauptschnur reisst dann unweigerlich.

Beim einrollen in das Vorfach, sowie beim tief schlucken oder seitlichen Haken des Heilbutt entstehen enorme Hebelkräfte am Wirbel, Sprengring,  sowie natürlich am Haken/Drilling. Hier geben die minderwertigen Sachen sehr, sehr oft den Geist auf. Ja neee, is klar, ich fahre für 1.500 € nach Norwegen und habe dann nur Dreck an der Schnur baumeln?

Natürlich kommen die 100 kg Tragkraft eines Wirbel oder Sprengring niemals bei linearer Zugkraft auf der Schnur zustande. Bei einem seitlich im Heilbuttmaul hängenden Köder, oder einem verdrehten Köder/Sprengring/Wirbel sieht das schon ganz anders aus. Da brauchen wir Reserven.

Während der Drillphase soll natürlich meine Rute die zum Teil gewaltigen und langen Fluchten des Heilbutt abfedern. Das Zusammenspiel von Rollenbremse, Vorfachdehnung und Rutenaktion ist enorm wichtig, leider zu oft unterschätzt!

Ganz oft verliert der Angler den Kampf gegen den Heilbutt am Ende des Drills. Fischgeilheit und Gier lassen so manchen Glücksritter unachtsam werden. Nicht gleich beim ersten durchbrechen der Wasseroberfläche den Butt gaffen. Einmal kurz den Butt mit dem Gaff antippen um so eine 2. Flucht zu provozieren, warum? Der Butt verliert beim 2. flüchten wieder viel Energie und ist dann beim nächsten Gaffversuch viel träger als beim 1. Versuch. Ausserdem ist der Angler auf die 2. Flucht vorbereitet und reagiert viel abgeklärter auf die sehr wahrscheinlich, nochmals,  freigesetzten Kräfte des Butt. Hatte ich die 3. Flucht bereits erwähnt?
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Köder zum  gezielten Heilbuttfang:

Wissenschaftlich gesehen ist der Heilbutt noch nicht ganz erforscht.
Aber man ist sich einig, das der Heilbutt nicht besonders gut sehen kann. Dann bleibt dem Butt hauptsächlich die Seitenlinie um den Beutefisch zu orten und zu verfolgen. Das bedeutet für mich einen Köder mit grosser Abstrahlfläche zu benutzen. Eine gewisse Länge sollte der Köder ebenfalls haben. Für mich persönlich kommt trotzdem eine Lockwirkung durch Reflektionen am Köder unbedingt in Frage. Durchsichtige Gummifische mit eingegossenen Glitzerbrocken machen Sinn.



Die Fangtiefe von den meisten Heilbutt liegt bei 10-40 m Wassertiefe. Da ist noch Sonnenlicht vorhanden, denn das Wasser in Nordnorwegen ist fast immer sehr klar, besonders im zeitigen Frühjahr.
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Pilker: Bei viel Strömung würde ich einen 300-600 Gramm Pilker einsetzen, aber nur dann. Bergmänner in klassisch poliertem Edelstahl, oder breite Speedpilker. Oben am Springring vielleicht noch einen fetten 10/0 Gummi-Makk + 7/0 er Drilling einklinken, dann kann der Überbeisser kommen.


Der 16,5 kg und 113 cm lange Heilbutt von Thomas (Bild oben) ging auf einen 260g Eigenbau Bergmann silber/gelb.
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Gummifische: Hier haben sich viele Modelle am Markt einen Namen gemacht und die Hersteller/Testangler verdienen sich dumm und dusselig an uns Anglern. Aufgrund der grossen Nachfrage und der Popularität des Heilbutt sind die Preise künstlich angehoben worden. Fangmeldungen und Werbeberichte Berichte prasseln auf uns ein. Jeder, daran Beteiligte will ein Stück vom Kuchen abhaben. Ganz am Ende steht der Angelladenbesitzer um die Ecke und streicht seinen mickerigen Gewinn ein.
Ekelhaft, wie der Angler bei einigen Produkten manipuliert und verkackeiert wird. Viele Jahre hatte ich einen grossen Einblick in diese Szene, immer hatte ich das Gefühl wie ein Verräter unter Sportsmännern zu sein.

Ein stabiler Bleikopf mit eingegossenen, langschenkeligen Haken ab Grösse 7/0, fertig.
Die Gummifische am Markt in den Grössen ab 20 cm sind von ganz unterschiedlicher Qualität. Ich will keinen flatterigen Puddingfisch am Haken haben. Der Gufi (Gummifisch) sollte im Rücken genug Breite haben, damit hier nicht beim ersten anknabbern der Haken aus dem Gufi schlitzt. Gerade im Schwanzbereich sind viele Gufi sehr dünn im Rücken. Einige Gufi haben grobe Glitzerbrocken eingearbeitet, ein tolle Innovation.
Ein 25 cm Gufi kostet um die 5 Euro, wenn ich mit einem puddingartigen wabbeligen Gufi Angel und auch noch Anbisse bekomme, ist der Puddingfisch nach einer Stunde Angeln im Dutt, der Nächste bitte. Bei 4-5 Stunden konzentriertem Gufi Angeln sind da mal eben 2-3 Gufi zerstört. Dann lieber etwas teurer und haltbarere Gufis. Vor dem aufziehen des GuFi, den Haken mit dem Feuerzeug oder besser einem kleinen Brenner sanft erhitzen und dann den GuFi über den sehr warmen Haken ziehen. Dann verschweisst sich der GuFi noch mit dem Haken und hält besser.


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Köderfischsysteme: Ein System für ca. 0,5-1 kg schwere, tote Köderfische habe ich selbst entworfen und am Nordkap gefischt. Kostenpunkt 6 Euro! Da gibt’s auch noch ein werbeträchtiges, fertiges Köderfischsystem am Markt, das funktioniert auch sehr, sehr gut, aber der Preis ist geradezu frech! Gekauft habe ich es trotzdem!
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Köderfisch: Ja, wir haben uns sogar Gedanken über den attraktivsten Köderfisch für den Heilbutt gemacht.
Absolute Nummer 1: Schellfisch. Warum? Der Schellfisch hat einen hohen Fettgehalt, er riecht sehr stark und ist dazu noch ein sehr haltbarer Köder.
2. Platz: Köhler. Warum? Der Köhler ist ebenfalls ein sehr haltbarer Köder und leicht zu beschaffen.
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Ködertuning: Den Gufi/Köfi einfach mit 1, oder 2 langen, dünnen Kabelbinder am Haken zusätzlich sichern. Um den Kabelbinder kann man Alu Folie wickeln, einen Leuchtschlauch drüber ziehen, oder eine Ladung Perlen aufziehen. Alles Lockwirkung für schmales Geld.

Eine ganz tolle Sache wären doch selbstleuchtende Kabelbinder, lang und schmal. Aber im 100 er Pack für maximal 10 Euro!

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Die Heilbuttharpune:
Meistens total überflüssiger Firlefanz, da haben einige Leute zuviel Moby Dick geschaut. Der weisse Hai gab dann noch die Idee mit der Boje dazu.

In einigen Filmen wurden riesige Bojen an den Harpunenleinen befestigt. Diese auftriebsstarken Bojen zieht nicht mal n kleiner Wal nach unten. Natürlich schlitzt dann die Harpune auch mal aus, wenn der verletzte Butt versucht abzutauchen. Dann taucht der verletzte Heilbutt ohne Harpune im Körper ab, blutet völlig aus und liegt dann tot am Boden. Diesen Fisch bekommt kein Angler der Welt an die Oberfläche. Schwachsinn auf DVD.

Zitat von Kapitän Ahab: „Marmor, Stein und Eisen bricht...“

Neuerdings (2010) rudern die Heilbuttpäpste auch wieder zurück und lassen die Harpunen für die japanische Walfangflotte. Flying Gaff ist die Lösung......endlich!
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Das Flying Gaff:
Das ist mal eine sinnvolle Erfindung von.......?
Egal, danke dafür, ich habe mir auch eins nachbauen lassen und bei Bedarf verkaufe ich diese bei Bedarf. Hier der link zu unseren Gaff’s.


Das Gaff richtig im Maul des Heilbutt anzusetzen schein nicht so einfach zu sein. Ich vermute, das die meisten Gaffhaken einfach zu klein sind und der Hakenbogen zu eng und bauchig gebogen sind.
Thomas und ich haben unsere Butt gleich beim ersten Versuch mit dem Flying Gaff ins Boot geholt. Unser Flying Gaff scheint dafür sehr gut geeignet zu sein.
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Köderführung: Wir fischen eigentlich nur mit Gummifischen gezielt auf den Heilbutt.
Den GuFi auf den Grund aufkommen lassen und ein paarmal pilken. Danach geht es in langsamen Schritten durch alle Wasserschichten. Pilkbewegungen machen wir keine, das schaukeln des Bootes reicht völlig, auch bei glatter See.
Die Geschwindigkeit beim einholen ist irgendwie Gefühlssache, aber lieber zu langsam.
Sobald ein Anbiss auf den GuFi erfolgt, muss sofort der kräftige Anschlag erfolgen. Unkonzentriertheit und Faulheit bringen keine Butt’s ins Boot.
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Vielleicht kann der Heilbutt am Ende doch gut sehen?
Aber nur UV aktives Licht? Hoffentlich werden hier die Wissenschaftler mal etwas neugieriger! Es würde mich nicht wundern, wenn’s so wäre.
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Mein schwerster Phantomheilbutt ist 2,99 Meter lang und wiegt 255 kg!
Man darf doch noch Träume haben, oder?